„Generationenübergreifendes Lernen und Bürgerschaftliches Engagement“ „Alt und Jung - das geht zusammen“ pack ma´s – Freiwilligen Agentur Rottal-Inn

Kurzbeschreibung der FA/FZ/KoBE

 Die Freiwilligenagentur pack ma´s wurde 2017 für den Landkreis Rottal-Inn gegründet. Sie hat sich neben der Beratung, Vermittlung und Schulung von Freiwilligen und Initiativen auf die Unterstützung von Nachbarschaftshilfen fokussiert. Das Generationenprojekt ist das erste eigenkonzipierte und umgesetzte Freiwilligenprojekt seit Gründung der Agentur.

Pack ma´s verfügt über ein gut funktionierendes regionales Netzwerk von Initiativen und Einrichtungen, die mit Freiwilligen arbeiten. So kann das Thema bürgerschaftliches Engagement im Landkreis bedarfsorientiert voran gebracht werden. Auf der Internetseite der Agentur werden die Engagement-Möglichkeiten veröffentlicht und Hilfsangebote erfasst. Neben den digitalen Kontaktmöglichkeiten steht das persönliche Gespräch im Vordergrund der Arbeit.

 

Projektbeschreibung

  

Ziel

„Alt und Jung - das geht zusammen“

Wir wollen beweisen, dass es sehr wohl funktioniert und für alle Beteiligten bereichernd ist, wenn Jung und Alt gemeinsam Zeit verbringen und dabei miteinander und voneinander lernen. Durch gemeinsame Erlebnisse und das gegenseitige Kennenlernen mit persönlichen Sichtweisen und Einstellungen werden Vorurteile der anderen Generation gegenüber abgebaut und Brücken zueinander gebaut. Durch die Arbeit in Tandems sowie durch Zeitzeugenberichte und Raum für Fragen nähern sich die Generationen im Gespräch an.

 

Zielgruppen

Schüler der 8. Klasse Mittelschule und engagierte ältere Erwachsene/Senioren aus dem Markt Triftern

Partner: Lenberger Grund- und Mittelschule Triftern, Seniorenbeauftragter des Marktes Triftern

Vorgehensweise Da die Freiwilligenagentur bereits einen sehr guten Kontakt zum Seniorenbeauftragten des Marktes Triftern, in Funktion auch Vorstand der Bürgerhilfe Anzenkirchen hatte, bestand zur Gruppe der Senioren ein guter Kontakt. Um mit einer festen Gruppe von Jugendlichen arbeiten zu können, wurde die Kooperation mit der Grund- und Mittelschule Triftern gesucht. Ein interessanter Aspekt war die Umfrage durch die Klassenleiterin unter den Schülern der achten Klasse der Ganztagesschule, welche Themen sie sich denn mit Älteren vorstellen können zu erarbeiten. Auf Grundlage dieser Umfrageergebnisse wurde das Konzept inhaltlich gestaltet.

 

Umsetzung – Projektverlauf, Highlights auch schöne Geschichten

Es konnten zügig für alle 10 Nachmittage genügend Senioren und Schüler gefunden werden, die mit Interesse und Spannung an dem „Experiment“ teilnahmen. Schön war es zu sehen, mit wie viel Freude sich die Jugendlichen auf den Handy- und Computerkurs vorbereitet haben, um alle Fragen der Senioren beantworten zu können und ihnen wirklich nachhaltig Wissen vermitteln zu können. Andererseits waren die Gespräche der Senioren im Vorfeld des Schafkopfkurses interessant, wie man denn wohl am besten anfängt, den Jugendlichen das altbayerische Kulturgut „Schafkopf“ zu erklären. Völlig problemlos bildeten sich Tandems, die sich neben dem Kartenspiel auch in Privatgesprächen ausgetauscht und kennen gelernt haben.

 

Ablauf:

 

1. Handy- und Computerkurs (vier Nachmittage)

Die Schüler haben gemeinsam mit der IT-Lehrerin den Kurs an der Schule inhaltlich vorbereitet und eine Präsentation sowie ein Handout erarbeitet. Der Seniorenbeauftragte des Marktes Triftern hat im Vorfeld mit Flyern und Plakaten den Kurs beworben und in verschiedenen Gremien Teilnehmer akquiriert. In den vier Kursnachmittagen wurden sowohl vorbereitete Inhalte zu Computergrundlagen, Word, Excel, etc. vermittelt und individuellen Fragen Raum gegeben. Vor allem beim Thema Handy konnten die Schüler den Senioren ihre persönlichen Belange am eigenen Handy erklären. Zum Thema Online-Banking referierte ein Vertreter der örtlichen Bank. Bei der Einführung bei den Senioren sind z. T. die Tandempartner im Nachgang des Kurses noch behilflich.

 

2. Schafkopfkurs (vier Nachmittage)

Die Teilnehmer treffen sich im Gruppenraum der Mittelschule und bilden spontan Tandems mit den Senioren. Nach einer kurzen Vorstellung werden erst mal wesentliche Begriffe wie „de Oide“ erklärt, damit die Schüler den Ausführungen der Senioren folgen konnten. Welche Karte am Schluss wie viel zählt und wie die Grundregeln sind (die vorab schriftlich an die Schüler verteilt wurden), wurde kurz erklärt und dann sofort mit dem Spiel begonnen. Die Senioren erklärten den Schülern geduldig, warum sie welche Karte spielen und welche Gedanken sie sich für ein gelungenes Spiel machen. Schnell hatten die Schüler die Karten in der Hand und fachsimpelten mit dem Tandempartner, welche Karte gespielt wird. Alle Beteiligten hatten sichtlich Spaß und tauschten sich nach kurzem Kennen auch über Hobbies, Lieblingsfächer, Sport und vieles mehr aus.

 

3. Mühlenbesichtigung

Nachdem die geplante Wanderung zur alten Mühle witterungsbedingt ausfallen musste, wurden die Schüler und Senioren mit dem Bus zur Mühle gefahren, wo die Betreiberfamilie schon auf den Besuch wartete. Der Senior der Mühle erläuterte, wie früher der Ablauf von der Getreideernte bis zum fertigen Mehl war, sein Sohn spannte den Bogen zum heutigen Ernte- und Verarbeitungsprozess des Getreides und zeigte die verschiedenen Stationen in der Mühle. Die Fragen der Gäste wurden ausführlich erklärt und zum Abschluss noch Mehl eingekauft, das für den nächsten gemeinsamen Nachmittag zum Brot backen benötigt wurde.

 

4. Gemeinsames Brot backen

Die Schulküche war Treffpunkt für den letzten Nachmittag des Projektes, in der bereits Mehl, Hefe, Sauerteig, Salz, Gewürze und allerlei Körner bereit standen. Die Senioren fragte erst mal die Schüler, wer denn schon mal selber Brot gebacken hatte – das waren wie erwartet sehr wenige. Nach dem Anrühren des Teiges durch die Schüler unter Anleitung der Senioren wurde über das Einkaufsverhalten gesprochen. Regionaler Bäcker oder Discounter, Geschmacksunterschiede, Preisvergleiche und Herkunft der Zutaten wurden angeregt diskutiert und beispielsweise errechnet, was ein selbstgebackenes Brot denn ungefähr kostet. Nach dem „Gehen“ des Teiges formten die Schüler Brotlaibe und Kleinteile nach Lust und Laune und verzierten mit Körner und Gewürzen nach Geschmack. Während der Backzeit wurde gemeinsam die Küche aufgeräumt. Das Kleingebäck wurde noch heiß mit frischer Butter verkostet und allgemein wurde festgestellt, dass selbst gebackenes Brot einfach besser schmeckt als gekauftes. Viele Schüler kamen ins Nachdenken, ob sie sich nicht doch mal selber zu Hause Brot backen oder wieder mehr zum regionalen Bäcker gehen anstatt Discounterware zu kaufen. Die Rezepte sowie die Brotlaibe wurden mit nach Hause genommen und sicher stolz den Eltern gezeigt.

Als Zusammenfassung und Impuls für andere wurde eine DIN A-5 Broschüre mit Projektinhalten, vielen Fotos, Teilnehmerstimmen und Kontaktadressen der Projektbeteiligten erstellt.

Eine Abschlussveranstaltung in der Schulaula, zu der alle teilnehmenden Schüler und Senioren sowie Vertreter aus Politik und Presse und alle landkreisweiten Kommunen sowie Ganztagesschulen eingeladen wurde rundete das Pilotprojekt ab. Die Schüler und Senioren erläuterten ihre Erlebnisse, Fotos wurden gezeigt und Teilnehmerzertifikate sowie kleine Geduldsspiele aus Holz als Andenken an das Projekt überreicht. Zum Abschluss stärkten sich alle am Buffet und schmiedeten Pläne für weitere Aktionen.

 

Resümee / Wie geht es weiter?

Die Schulleitung der Mittelschule bestätigte, dass ein derartiges generationenübergreifendes Projekt an der Schule fortgeführt wird, da sie die positiven Erlebnisse als sehr bereichernd für die Schüler einstuft. Auch von Seiten der Senioren wurde ein Fortführen gewünscht, da die Nachmittage interessant, lehrreich und kurzweilig waren.

Es wird versucht, in anderen Gemeinden des Landkreises ähnliche Projekte zu initiieren, um das Miteinander der Generationen zu stärken.

 

Stimmen von Teilnehmern (Zitate)

Margot Auer (Rektorin der Mittelschule): „Junge und alte Menschen sind sich oft einander fremd. Unser Generationenprojekt trägt wesentlich dazu bei, miteinander in einen Dialog zu treten und Zeit miteinander zu verbringen. Durch das gemeinsame Arbeiten an unterschiedlichen Themenkomplexen sowie im Spiel werden Generationen verbunden.“

 

Hermann Ertl (Seniorenbeauftragter Markt Triftern): „Senioren verfügen über große Lebenserfahrung und sind gerade im handwerklichen Bereich sehr geschickt. Jugendliche wiederum verfügen über großes mediales Wissen. So können sich junge und ältere Menschen hervorragend ergänzen.“

 

Schüler:

„Es hat mir Spaß gemacht, dass ich mal einem Erwachsenen etwas lernen kann.“

 

„Den Erzählungen der Senioren in der Mühle und beim Brot backen zuzuhören war total interessant – was die alles wissen.“

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass Brot backen so einfach ist – das werde ich zu Hause auch mal ausprobieren.“

 

„Ich dachte immer Karten spielen ist langweilig, aber beim Schafkopf ist echt Köpfchen gefragt.“

 

Senioren:

 

„Erstaunlich, wie schnell die Jugendlichen das Schafkopfen gelernt haben.“

 

„Die Schüler waren richtig gute und geduldige Lehrer am PC.“

 

„Jetzt verstehe ich langsam, wieso die Jugendlichen ständig das Handy nutzen, da kann man ja so viel damit machen.“

 

Bildrechte: pack ma´s Freiwilligen Agentur Rottal-Inn

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