Modellprojekte

„generationenübergreifendes Lernen und Bürgerschaftliches Engagement“

 

 

LANDSHUT – Jung + Altdorf

Freiwilligenagentur Landshut (fala)

 

Kurzbeschreibung der FA/FZ/KoBE

 

Die Freiwilligenagentur Landshut (fala) wurde 2008 gegründet. Sie hat sich seither ein breites Erfahrungswissen in der Beratung, Vermittlung sowie in der Konzeption und Umsetzung vielfältiger Freiwilligenprojekte (z.B. Ankommenspaten, Deutsch für Kleine, Mobil plus, Cool2school, Lese-, Rechen-, Familien-, Spielplatzpaten) erworben.

 

Die fala verfügt über ein sehr dichtes Netzwerk, arbeitet mit mehr als 100 Einsatzstellen und Kooperationspartner sowie mit Unternehmen und ist in diversen Arbeitsgruppen und Gremien vertreten, z.B. im Seniorenpolitischen Arbeitskreis Landshut, im Netzwerk Integration, am Runden Tisch Flüchtlingshilfe sowie in der Vernetzungsgruppe Industrieviertel. Die Schwerpunkte liegen auf der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie auf der Flüchtlingshilfe. Mehrjährige Erfahrung gibt es im Bereich der Seniorenarbeit durch Mitarbeit an zwei Seniorenpolitischen Gesamtkonzepten für die Stadt Landshut sowie den Markt Ergolding. Das an die Zielgruppe der Senioren gerichtete Projekt „Mobil plus – sicher im Stadtbus“ wurde bereits mit zwei Preisen ausgezeichnet.

 

Projektbeschreibung

 

Ziel

 

Jung + Altdorf – gemeinsam helfen!

In der Marktgemeinde Altdorf (12.000 Einwohner) soll zur Unterstützung von Senioren und auch von jungen Familien das ehrenamtliche geleistete Hilfeangebot erweitert werden. Daher wird „Freiwilliges Engagement in Altdorf“ als Thema für Generationenwerkstätten gewählt.

Ziel ist es, die unterschiedlichen Generationen in der Gemeinde, die in völlig verschiedenen Lebenswelten zuhause sind, anzunähern, eine Gemeinschaft zu entwickeln und generationenübergreifend zu arbeiten. Das Thema soll in Erzählgruppen sowie in konkreten Praxiseinsätzen erarbeitet werden. Durch die Praxiseinsätze in gemischten Teams aus jung und alt werden den einzelnen Teilnehmern unterschiedliche generationenbedingte Sichtweisen auf freiwilliges Engagement vermittelt.

Das Projekt soll dazu beitragen, etwaige Vorurteile auf die jeweils andere Generation abzubauen.

 

Zielgruppen

Jugendliche (15 bis 17 Jahre) aus dem Jugendtreff Altdorf, engagierte ältere Erwachsene/Senioren aus Altdorf;

Partnereinrichtungen: Jugendtreff Altdorf, Seniorenzentrum Johannesstift Altdorf

  

Vorgehensweise

Da die fala bereits 2015 in der Marktgemeinde Altdorf in Kooperation mit dem Seniorenbeirat eine Nachbarschaftshilfe auf den Weg gebracht hat, bestand zur Gruppe der Senioren ein guter Kontakt. Um mit einer festen Gruppe von Jugendlichen arbeiten zu können, wurde der Zugang zum Jugendtreff gesucht, mit dem es bislang noch keine Verbindung gab. Ein interessanter Aspekt war auszuprobieren, inwieweit es gelingen kann, Jugendliche (überwiegend Schüler aus den Mittel- und Wirtschaftsschule), die zur Freizeitgestaltung unregelmäßig in die offenen Angebote des Jugendtreffs kommen, für „jung + altdorf“ zu gewinnen und sie zu einer verlässlichen Mitarbeit zu motivieren.

Eine Hürde entstand zunächst dadurch, dass zum Projektstart die Nachbarschaftshilfe, die als ein fester Kooperationspartner eingeplant war, aufgrund interner Querelen knapp vor der Auflösung stand und somit nicht mehr für das Projekt zur Verfügung stand. Kurzfristig konnten aus dem Freiwilligenbestand der fala engagierte Altdorfer Bürger*innen für die Teilnahme gewonnen werden, darunter auch der Vorsitzende des Seniorenbeirates sowie eine Marktgemeinderätin.

 

Umsetzung – Projektverlauf, Highlights auch schöne Geschichten

Ein schönes Ergebnis: Von den teilnehmenden Jugendlichen haben sich nach dem Praxiseinsatz bereits zwei als freiwillige Helferinnen fest im Schülerhort angemeldet (Hausaufgabenhilfe für die Grundschüler). Eine Jugendliche wird auf Abruf gern im Seniorenzentrum freiwillig mithelfen.

Die teilnehmenden Senioren sind alle engagiert und planen, ihr Engagement für Altdorf noch auszuweiten. So sollen Filmnachmittag für die Bewohner des Johannesstifts entstehen und kulturelle Seniorenangebote in der Bücherei. Die Jugendlichen und Senioren verstehen sich mittlerweile so gut, dass sie die Generationenwerkstätten fortsetzen möchten!

Ein weiteres schönes Ergebnis: Das Bild des Jugendtreffs hat sich bei den Senioren durch das Projekt komplett verändert. Ein Teilnehmer (60 Jahre): „Ich hatte Vorbehalte, weil der Jugendtreff in der Gemeinde nicht den besten Ruf hat. Nach den persönlichen Begegnungen sehe ich, dass der Jugendtreff eine sehr gute Arbeit macht und die Jugendlichen hier alle freundlich, offen und zuverlässig sind.“

 

Ablauf:

1. Generationenwerkstatt : Senioren zu Besuch im Jugendtreff.

Die Jugendlichen des Jugendtreffs laden die Seniorenhelfer/innen in ihren Jugendtreff ein. Der Austausch soll einem ersten Kennenlernen bei einem gemeinsamen Essen dienen. Themen des moderierten Austausches: Wofür können und wollen sich die Jugendliche engagieren? Welche Aufgaben könnten übernommen werden, welche nicht? (Zeit, Inhalte, etc.) Was erwarten sie sich davon? Welche Unterstützung benötigen sie?

 

2. Generationenwerkstatt: Jugendliche und Senioren im Johannesstift .

Die Teilnehmer treffen sich im Seniorenzentrum. Dort bekommen sie eine gemeinsame Führung und beschäftigen sich mit dem Thema „Ehrenamtliche Unterstützung im Seniorenzentrum“.

Dabei stellen sich dort tätige ehrenamtliche Helfer vor, ebenso die Heimleitung, die Pflegedienstleitung und zwei Bewohner. Gemeinsame Spiele, die für regulär für die Bewohner angeboten werden, wie z.B. Gedächtnisspiele, Melodien erraten, Sprichwörter vervollständigen, Bewegungsspiele zur Sturzprävention, vermitteln den Teilnehmern eine Eindruck von der Lebenssituation der Heimbewohner, deren Bedürfnissen und Möglichkeiten.

 

3. Praxiswerkstatt: Helfen im Tandem.

Um den Jugendlichen den aktuellen Hilfebedarf in Altdorf zu zeigen, werden Helfertandems aus jeweils einem/r Erwachsenen und einem Jugendlichen gebildet, die einen gemeinsamen Einsatz durchführen. Einsatzorte: Schülerhort, Seniorenzentrum , Fahrradwerkstatt für Geflüchtete.

 

4. Abschlusswerkstatt: Erfahrungsaustausch im Jugendtreff

Die Praxis-Erfahrungen der einzelnen Tandems werden ausgetauscht. Gab es Probleme?

Gibt es eine Motivation, das Ehrenamt fortzuführen?

 

Resümee / Wie geht es weiter?

Die Generationenwerkstätten jung+altdorf werden fortgesetzt. Ziel bleibt, das Thema Ehrenamt und Projektarbeit in Altdorf. Jugendliche und Senioren werden miteinander einen gemeinsamen Stand am Marktfest Altdorf (Termin 8. Juli) konzipieren, organisieren und durchführen. Im Mittelpunkt stehen dabei Aktionen für die Besucher, die sich wiederum an unterschiedliche Generationen richten sollen, z.B. Spiele für Großeltern mit Enkelkind. Die Erlöse werden für Jugend- und Seniorenprojekte in Altdorf verwendet.

 

Stimmen von Teilnehmern (Zitate)

Susanne Baumann (Leiterin Jugendtreff): „Ich war zunächst skeptisch, ob unsere Jugendlichen über einen längeren Zeitraum zuverlässig und motiviert an einem Thema arbeiten. Ich wurde positiv überrascht und freue mich sehr, dass sie sich so begeistert in das Projekt einbringen!“

 

Teilnehmer (Seniorengruppe) nach Einsatz im Seniorenzentrum: „Für mich war das Engagement im Seniorenzentrum nicht ganz neu, weil ich Pflegesituationen schon in der eigenen Familie erlebt habe. Es war aber doch sehr schwer, geballte Gebrechlichkeit auszuhalten, wenn man selbst nicht mehr so weit davon entfernt ist.“

 

Jacki und Maria -Tandem nach dem Einsatz im Schülerhort: „Für uns war es sehr spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Kinder auf uns reagiert haben. Sie sind zuerst auf Jacki zugegangen und hatte überhaupt keine Berührungsängste mit Jugendlichen, mit Erwachsenen ist die Hemmschwelle höher.“

 

Alicia Balas (Leitung Seniorenzentrum Johannesstift): „Unsere Bewohner sind sehr offen für junge Menschen. Um ins Gespräch zu kommen, genügt es schon, ganz einfache Fragen zu stellen, wie z.B. zum Beruf, zum früheren Wohnort oder zu Hobbys. Für die Bewohner war der ehrenamtliche Einsatz der Tandems ein schönes Erlebnis, über das sie noch einige Tage gesprochen und gefragt haben: Wann kommen sie wieder?“

 

 

 

 

 

 

 

 

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